News

Mütter – ein gut gefüllter, aber oft ungenutzter Pool an Talenten

23.01.2021
bei der Smart Employer

Immer mehr Frauen wollen nach der Familienpause den beruflichen Wiedereinstieg schaffen. Doch dabei gilt es, einige Hürden zu meistern. Einerseits erkennen noch nicht alle Unternehmen das Potenzial dieser Berufsgruppe und andererseits nutzen Frauen oftmals noch nicht alle Möglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen.

In den letzten Jahren haben sich immer mehr Frauen dazu entschlossen, nach der Geburt ihrer Kinder die Rückkehr in den Berufsalltag zu wagen. 1991 haben in der Schweiz 59,6 Prozent der Mütter gearbeitet. 2015 waren es bereits 78,8 Prozent wie aus der Studie «Mütter auf dem Arbeitsmarkt» des Bundesamtes für Statistik (BFS) hervorgeht. Die Tendenz ist also steigend. Dies zeigt auch die Entwicklung der Bevölkerungsgruppe «Mütter mit Kindern unter sieben Jahren». In den letzten zehn Jahren ist die Erwerbstätigkeit dieser Gruppe um 10 Prozent angestiegen und liegt bei knapp 75 Prozent, wie eine weitere Studie des BFS zeigt.

Der Trend ist also klar ersichtlich. Auch wenn es in der Schweiz im Durchschnitt noch immer eine fünfjährige Familienpause gibt, in der die Mütter auf dem Arbeitsmarkt nicht aktiv sind, drängen sie zurück in den Arbeitsmarkt. Dies hängt nicht zuletzt auch damit zusammen, dass derzeit Themen wie Gleichstellung und Unabhängigkeit der Frau sowie Frauenförderung in aller Munde sind.

In den letzten Jahren haben sich immer mehr Frauen dazu entschlossen, nach der Geburt ihrer Kinder die Rückkehr in den Berufsalltag zu wagen.

Mehr als nur finanzielle Unabhängigkeit

Dadurch werden immer mehr Frauen für diese Themen sensibilisiert. Längst ist für eine grosse Mehrheit klar, dass eine Ehe nicht zwingend auch die nötige finanzielle Sicherheit für Mütter bietet. Oder dass die Altersvorsorge für Frauen, die nach der Geburt der Kinder nicht mehr arbeiten, zum Problem wird. Zu den Überlegungen der finanziellen Unabhängigkeit kommen auch noch die sogenannten «Soft-Faktoren» hinzu. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass eine Rückkehr ins Berufsleben das Selbstvertrauen und die Selbsteinschätzung der Mütter deutlich verbessert. Zudem wollen viele Mütter mit der Rückkehr ins Berufsleben auch eine Vorbildfunktion für die nächste Generation einnehmen. Es gibt also sehr viele gute Gründe für Frauen, um nach der Familienpause in den Berufsalltag zurückzukehren. Doch dabei stellt sich unweigerlich die Frage: Wie gut lassen sich denn in der Schweiz Familie und Beruf vereinbaren? Und wie gut sind unsere Unternehmen darauf vorbereitet, Frauen den beruflichen Wiedereinstieg zu ermöglichen?

Teilzeit ist nicht das Problem

Die eingangs erwähnten Studien des BFS liefern auch dazu interessante Zahlen. 90 Prozent aller erwerbstätigen Mütter in der Schweiz arbeiten Teilzeit, wobei das durchschnittliche Pensum 35 Prozent beträgt. Die Voraussetzungen, um in der Schweiz Teilzeit zu arbeiten sind gut. Denn kein anderes Land ausser Holland bietet in Europa mehr Teilzeitstellen als die Schweiz. Soweit so gut. Doch auf welchem beruflichen Niveau sind denn diese Teilzeitstellen zu finden? Unter Experten ist man sich einig: Frauen, die aus der Familienpause in den Berufsalltag zurückkehren, verkaufen sich oftmals unter Wert und treten eine Stelle an, für die sie eigentlich überqualifiziert sind. Das hängt zum einen sicherlich damit zusammen, dass es in vielen Führungspositionen kaum möglich ist, in einem Pensum von 40 Prozent oder weniger zu arbeiten.

90 Prozent aller erwerbstätigen Mütter in der Schweiz arbeiten Teilzeit, wobei das durchschnittliche Pensum 35 Prozent beträgt.

Doch diese Erklärung alleine greift zu kurz. Ein weiterer Grund ist, dass viele Unternehmen das Potenzial der Rückkehrerinnen noch nicht erkannt haben. Zwar bieten mittlerweile verschiedene Grosskonzerne spezifische Wiedereinstiegsprogramme für Frauen an. Doch gerade die KMU tun sich hierzulande sehr schwer damit, Personen mit einem nicht linearen Lebenslauf einzustellen. Obwohl gerade Bewerberinnen und Bewerber mit einer nicht klassischen Karriere – und dazu zählen oftmals auch Mütter – viele Fähigkeiten und frischen Wind mitbringen. Dieses Potenzial wird aber nicht zuletzt aufgrund von unbewussten Vorurteilen und einem stereotypischen Denken im Recruiting zu wenig genutzt. In diesem Bereich besteht Nachholbedarf.

Tipps für den beruflichen Wiedereinstieg

Das gilt aber nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für die Frauen. Denn in der heutigen Zeit bieten sich viele Möglichkeiten, um die Chancen auf den beruflichen Wiedereinstieg durch Eigeninitiative zu erhöhen:

• Schon vor der Geburt des Kindes sollte man gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin absprechen, ob es eine Familienpause gibt und wie diese aussehen soll, beziehungsweise wie sich das Paar die Familienarbeit aufteilen will.

• Auch während der Familienpause kann frau aktiv sein und versuchen, ihr Netzwerk aufrecht zu erhalten oder gar auszubauen. Wichtig: Netzwerken geht nicht nur beim «Cüplitrinken» an VIP-Anlässen, sondern auch im Sportverein oder beim Bastelnachmittag mit den Kids. Solche privaten Kontakte können sich auch bei der Jobsuche als wertvoll erweisen. Wie wichtig das eigene Netzwerk ist, zeigt die Tatsache, dass in der Schweiz rund drei Viertel aller offenen Stellen nie ausgeschrieben werden.

• Zusätzlich zum «analogen» Netzwerken spielen in der heutigen Zeit auch soziale Online-Netzwerke eine wichtige Rolle. Wenns um den beruflichen Wiedereinstieg geht, ist vor allem die Plattform «LinkedIn» zentral. Wer sich in diesem Netzwerk gekonnt präsentiert, kann seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Dafür empfehlen sich Coachings und Trainings zur richtigen Nutzung von «LinkedIn» und weiteren Plattformen.

• Ganz generell sollten Weiterbildungen nicht vernachlässigt werden. Dabei ist entscheidend, dass man seine eigenen Schwächen erkennt und sich bewusst in diesen Bereichen Unterstützung holt. Das kann beispielsweise in der Kommunikation sein oder beim Verhandeln. In solchen Fällen können entweder klassische Weiterbildungsangebote genutzt werden oder der Austausch mit einem Coach oder Mentor kann helfen.

Text: SMA

Mehr zum Thema Frauen und Karriere gibt es hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Vorig artikel
Volgend artikel