Frauen in der Forschung
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Für mehr Frauen in der Forschung

29.06.2022
von Smart Employer

Die Untervertretung von Frauen in der Forschung und Wissenschaft ist in der Schweiz nach wie vor Realität. Es laufen diverse Bestrebungen, um dies zu ändern.

Die Gleichstellung von Mann und Frau ist seit jeher ein wichtiges Anliegen des Schweizerischen Nationalfonds (SNF). Dessen Engagement zielt insbesondere darauf ab, eine ausgewogene Vertretung von Frauen in Funktionen, Gremien und in der Forschung zu fördern.

Der Frauenmangel entsteht bereits beim Übertritt vom Masterabschluss zum Doktorat. Diesen Schritt machen über ein Drittel mehr Männer als Frauen, wie es auf snf.ch heisst. Der Trend setzt sich im weiteren Lauf der akademischen Karriere fort.

Männer schliessen ihre Dissertationen häufiger ab und bleiben der Forschung eher erhalten. Der Anteil an Professorinnen verharrt dagegen auf tiefem Niveau. Im europäischen Vergleich schneidet die Schweiz unterdurchschnittlich ab – daran haben nationale Aktionspläne und Förderungsmassnahmen in den vergangenen Jahren nur wenig geändert.

Die Untervertretung der Frauen steht im Gegensatz zum Gesetz und zur Einstellung der Schweizer Bevölkerung, welche die Chancengleichheit als wichtig erachtet. Auch in der Wirtschaft sind die Vorteile bekannt – zum Beispiel ist erwiesen, dass gemischte Teams bessere Leistungen erbringen.

Verlust von Frauen in der Forschung stoppen

Obwohl Frauen an der Universität Freiburg während des Studiums in der Überzahl sind, geht deren Anzahl bis zur Professur deutlich zurück: 60 Prozent der Master-Absolvierenden, 45 Prozent der Doktorats-Absolvieren den und 20 Prozent der ordinären Professor:innen höherer Kategorien sind davon betroffen.

Um diesen Trend zu brechen, bietet die Dienststelle für Gleichstellung Workshops, ein Mentoring-Programm, personalisierte Beratung und Ratgeber an. So hofft man, dem «Verlust» von Frauen mit akademischer Karriere entgegenzuwirken.

Individuelles Coaching

Immer mehr Firmen sehen aktuell die Notwendigkeit, insbesondere Frauen darin zu coachen, selbstbewusster aufzutreten und sich selbst besser zu vermarkten.

Die gelernte Schauspielerin Anouk Scherer berät etwa seit vielen Jahren Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und gibt Firmenseminare und Workshops in der Schweiz und in Deutschland.

Als Dozentin ist Scherer an verschiedenen Schweizer Hochschulen und Institutionen zur Weiterbildung tätig: «Mein Beruf ist der schönste der Welt. Ich darf täglich miterleben, wie sich Menschen weiterentwickeln und persönliche Erfolge erzielen», schreibt sie auf der Homepage ihres Unternehmens.

Mit Fachwissen und dank langjähriger Erfahrung bereitet Scherrer Menschen für den grossen Auftritt vor – ob für ein Fernsehinterview oder für die entscheidende Geschäftsleitungssitzung.

Eine grosse Inspiration bei der Arbeit ist die Wirkung von Theaterschauspielenden auf ihr Publikum und die besondere Magie der Bühnenpräsenz. Um den Kursteilnehmenden oder Coaches ein möglichst objektives Bild ihrer Aussenwirkung zu vermitteln, wird je nach Kurs auch mit Audio- und oder Videoaufnahmen gearbeitet: «Es ist immer wieder wunderbar, wie sich Interessierte von dieser Erfahrung anstecken lassen und neue, ganzheitliche Ideen mit in ihren Geschäftsalltag nehmen», sagt Scherer.

Forschungsförderung nach Gender Mainstreaming

Diversität und Chancengleichheit sind wesentliche Qualitätskriterien für den Forschungsstandort Schweiz. Just deshalb hat sich der SNF der Gleichstellung verpflichtet und eine Reihe von Förderungsmassnahmen ins Leben gerufen, um der Untervertretung von Frauen gezielt entgegenzuwirken.

Forschung über und von Frauen fristet ein Nischendasein.

Eine wichtige Leitplanke ist dabei das Prinzip des Gender Mainstreaming. Dabei handelt es sich um eine international erprobte Strategie, Gleichstellung auf allen Ebenen zu verankern. Dabei werden soziale und strukturelle Ungleichheiten von Frauen und Männern zuerst sichtbar gemacht, anschliessend deren Auswirkungen analysiert und schliesslich die Ursachen beseitigt.

Das bedeutet, bei allen Entscheidungen, Projekten und Vorhaben die unterschiedliche Lebensrealität von Frauen und Männern im Vorhinein zu berücksichtigen.

Mehr Frauenkarrieren

In den obersten Führungsetagen sind Frauen immer noch eklatant untervertreten. Damit ist die knappe Mehrheit der Bevölkerung von Einfluss, Macht und Entscheidungsprozessen ausgeschlossen.

In politischen Prozessen werden Anliegen von Frauen vernachlässigt. Berufsfelder, in denen es in erster Linie um Menschen geht und um die sich vor allem Frauen kümmern, sind unterbezahlt und abgewertet. Forschung über und von Frauen fristet ein Nischendasein.

Deshalb plädiert die HR-Spezialistin Sibyl Schädeli auf ihrer Homepage für mehr Frauen an der Spitze aller Organisationen: «Es braucht zumindest vorübergehend Quoten, um Gleichstellung herzustellen.

Frauen müssen nicht gefördert werden, aber ihre Karrieren sehr wohl. Sie müssen in sämtlichen wichtigen Gremien und in der Politik paritätisch vertreten sein. Ich unterstütze Frauenkarrieren und -netzwerke, verbreite Informationen und Wissen, sorge für Transparenz und bleibe immer hartnäckig, um meinen Beitrag zu leisten.

Ich versorge Frauen auf dem Karriereweg jederzeit mit neusten Erkenntnissen über Führung, Macht- und Statusspiele und biete praktische Tipps und Strategien.»

Gleichstellung vorleben

Nach dem Vorbild des Gender Mainstreaming ist die Gleichstellung beim SNF als Querschnittsaufgabe und in allen Aufgabenbereichen verankert. Dadurch erhält sie ein adäquates Gewicht. Auch auf institutioneller Ebene setzt der SNF sein Verständnis für Gleichstellung um.

Etwa durch einen Frauenanteil im Stiftungsrat von mindestens 40 Prozent, oder indem er eine ausgeglichene Verteilung der Geschlechter auf allen Hierarchiestufen anstrebt. Im Rahmen der Projektförderung führt der SNF zudem jährlich ein Gleichstellungsmonitoring durch, das unter anderem die Erfolgsquoten von Gesuchstellenden analysiert.

Eine fast einstimmige Frauensession

An der Frauensession im Herbst 2021 wurde etwa eine Motion zur Gleichstellung von Frauen in der Forschung genehmigt. So soll der Bund die Finanzierung der Hochschulen und die Vergabe von Drittmitteln in der Forschungsförderung an Gleichstellungsstandards koppeln.

Fast einstimmig nahmen die 246 Frauen in Bern die entsprechende Motion ihrer Wissenschaftskommission an. Der SNF unterstützt diese Forderung. Auch weitere forschungspolitische Anliegen stiessen an der letzten Frauensession auf offene Ohren.

So sprachen sich die Frauen für ein nationales Forschungsprogramm zur Gendermedizin aus, das vom SNF durchgeführt werden soll. Ausserdem sollen die Hochschulen mehr Dauerstellen für wissenschaftliche Mitarbeitende schaffen sowie mindestens zwölf neue Professuren für Geschlechterforschung.

Keine Frage: Da tut sich was!

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