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«Cyber Security ist ein elementarer Bestandteil jedes IT-Fachbereichs»

29.06.2022
von Smart Employer

Annemarie Bracher absolvierte eine Lehre als Informatikerin EFZ und erlangte letztes Jahr einen eidgenössischen Fachausweis als Cyber Security Specialist – und dies als einzige Frau in ihrem Jahrgang. Im Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen, weshalb das Berufsfeld der Informations- und Kommunikationstechnik (ICT) mehr Frauen braucht und was sie an der Branche fasziniert.

 

Annemarie Bracher

Frau Bracher, was fasziniert Sie an der ICT?

Die ICT ist enorm abwechslungsreich. Kein Tag ist wie der andere. Ich bin täglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert und es gibt immer wieder etwas Neues zu lernen.

Welche Eigenschaften muss eine Person für eine Karriere in diesem Berufsfeld mitbringen?

Ich sage unseren Lernenden immer, dass man in der IT unter anderem in der Lage sein muss, Dinge nachzuschlagen und sie dann umzusetzen. Aber natürlich muss man auch vernetzt denken können, ein gutes Vorstellungsvermögen hilft dabei sehr.

Mit welchem Irrglauben über IT möchten Sie aufräumen?

Aus meiner Sicht werden mathematische Kenntnisse überbewertet. Ich war nie gut in Mathematik und arbeite seit mehr als 20 Jahren in der IT-Branche.

Im November 2021 haben Sie den eidgenössischen Fachausweis als Cyber Security Specialist erlangt. Wie ist bei Ihnen das Interesse an einer Ausbildung in diesem Bereich aufgekommen?

Cybersicherheit ist für mich ein elementarer Bestandteil jedes IT-Fachbereichs. Zuerst wollte ich «nur» eine höhere Ausbildung als Technikerin HF mit Schwerpunkt Digitalisierung absolvieren, um später an einer Berufsfachschule im Nebenamt IT zu unterrichten. Während meiner Ausbildung bot uns die Schule jedoch an, im fünften und sechsten Semester den Lehrgang Cyber Security Specialist zu belegen. Ich zögerte zunächst, doch entschied mich dann doch dafür. Am Ende war ich die einzige Frau, die den Lehrgang abgeschlossen hat. Darauf bin ich heute sehr stolz.

Weshalb haben Sie sich spezifisch für diesen Fachausweis entschieden?

Ich habe mich dafür entschieden, da die Ausbildung nur eineinhalb Jahre dauert, aber gleich gewertet wird wie ein Abschluss einer höheren Fachschule und die Themengebiete enorm spannend sind. Zudem bin ich überzeugt, dass Cyber Security in Unternehmen weiterhin zunehmend an Wichtigkeit gewinnen wird.

Wie erlebten Sie die Ausbildung und welchen Herausforderungen begegneten Sie dabei?

Ein grosser Teil der Ausbildung war der «Hands-on»-Unterricht. Wir absolvierten viele Labs und Capture-the-Flag-Events. Die grösste Herausforderung war, die vielen Tools nicht nur zu kennen, sondern in kurzer Zeit auch möglichst gut praktisch anwenden zu können. 

Wie war Ihre Erfahrung mit der eidgenössischen Prüfung?

Die eidgenössische Prüfung war enorm lang. Das Hacking Lab dauerte fünf, die Projekte und der betriebswirtschaftliche Teil zwei Stunden und die mündliche Prüfung in Führung und Kommunikation 45 Minuten. Die Zeit für das Hacking Lab war jedoch relativ knapp und verging wie im Flug. Ich hätte noch stundenlang an meinen Reports feilen oder die Labs erneut durchspielen können, bis ich alle Lösungen gefunden hätte.

Wie geht es für Sie beruflich weiter und welche Vorteile erfahren Sie dabei aus Ihrem Abschluss? 

Zurzeit arbeite ich weiterhin für meinen Arbeitgeber als Verantwortliche für die Cloud. In diesem Gebiet kann ich mich in Sachen Sicherheit einbringen und täglich das Wissen nutzen, welches ich bei meiner Ausbildung erworben habe. Ich kann mir gut vorstellen, mich irgendwann noch weiter in Richtung Cyber Security zu vertiefen.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?

Allen, die sich gerne praktisch weiterbilden und denen Cybersicherheit wichtig ist. 

Ein Problem, das in Ihrem Sektor stark zum Vorschein kommt, ist der vergleichsweise geringe Frauenanteil. Wie beurteilen Sie die Situation?

Der Frauenanteil in technischen Berufen liegt in der Schweiz bei ungefähr 18 Prozent – was immer noch sehr tief ist. Jedoch sind IT-Spezialist:innen überall gesucht, unabhängig vom Geschlecht. Der Fachkräftemangel erstreckt sich von der Softwareentwicklung, dem Systemengineering und -betrieb, der IT-Security und -architektur bis hin zum Projektmanagement beziehungsweise zu agilen Rollen wie Product Owner und Scrum Master.

Inwieweit werden Frauen in der ICT gezielt gefördert?

Es gibt etliche Bestrebungen, Frauen zu fördern, sei es mit individuellen Coachings oder Mentoringprogrammen. Aber auch gute Vorbilder und Netzwerke, welche sich speziell an Frauen in der IT richten, sind wichtig.

Welche weiteren Faktoren machen die Branche für Frauen attraktiv?

Flexible Arbeitszeiten, gerade nach Corona wurde dies enorm gelockert. Zudem bin ich davon überzeugt, dass diverse und gut durchmischte Teams mit unterschiedlichen Ansichten bessere Produkte und Dienstleistungen kreieren.

Was möchten Sie Frauen in der ICT mitgeben?

Ich kann einen Fachausweis sehr empfehlen. Zudem sollten Frauen sich gegenseitig unterstützen und vernetzen, zum Beispiel an einem der Events von belikegrace.ch. Und nicht zuletzt: Seid nicht schüchtern, alle anderen können es nicht besser, sie tun nur so!

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